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Verantwortung als Marketer

Letztens in der Mittagspause beim Italiener fragte mich ein Kollege: „Wie ist das eigentlich für dich, für die Umsätze von unserem Shop verantwortlich zu sein?“.
Gemeint war, dass man als Marketing Mensch, besonders im Performance-Marketing, direkt an den generierten Umsätzen gemessen wird und diese Verantwortung zu tragen hat.

Ich wusste darauf keine wirkliche Antwort bzw. habe ich mir darüber noch nie bewusst Gedanken gemacht. Man „macht“ Marketing und wenn es läuft, läuft‘s und wenn nicht, verändert man etwas und holt den Karren wieder aus dem Dreck.

Das heißt nicht, dass ich keine Strategie hätte oder mir der Verantwortung nicht bewusst wäre. Aber das ist eher eine unterbewusste Einstellung, die ich mir in diesem Beitrag mal bewusst machen möchte. Ich lade euch hiermit herzlich ein, eure Erfahrung zum Thema einzubringen :)

Ist die Verantwortung wirklich eine Eigenheit einer Marketing Position?

Erstmal hinterfrage ich, ob die Verantwortung aus der Ausgangsfrage tatsächlich ein Alleinstellungsmerkmal für mich als Marketer ist? Dafür wähle ich den Top-Down-Ansatz. Ganz oben steht der Geschäftsführer, der die Gesamtverantwortung trägt. Solange die Umsätze fließen, ist alles in Butter. Ist dies nicht der Fall, ist der Geschäftsführer gezwungen zu handeln. Also…bewegt er sich in die Marketing Abteilung direkt an meinen Schreibtisch. Nicht, dass wir eine riesige Abteilung hätte, aber das Bild gefällt mir :)

Stellt sich auf Dauer keine Verbesserung der Umsätze ein, wird als letzte Konsequenz sicherlich nicht der Geschäftsführer seinen Platz räumen. Wir können festhalten, jap, die Verantwortung für die Umsätze liegt größtenteils im Marketing.

Jeder hat sein Päckchen zu tragen. Auch der Kundenservice kann an der Kundenzufriedenheit gemessen werden, das Lagermanagement an den Versandzeiten oder der Einkauf an der Warenverfügbarkeit.

Bildlich gesprochen setzt sich das Marketing auf die anderen Bereiche drauf. Unzufriedene Kunden oder ein schlechtes Produkt, kann eine Marketing-Kampagne auch nicht besser machen, zumindest nicht langfristig. Ich profitiere also von der guten Arbeit der anderen, letztendlich stehe ich trotzdem in der Verantwortung Umsätze zu generieren.

Wie äußert sich diese Verantwortung?

Wie schon mehrmals angesprochen, eigentlich nur, wenn Umsatzziele nicht erreicht werden. Deswegen gehe ich im Weiteren von diesem Fall aus.

Aber nochmal einen Schritt zurück. Als Marketer ist man ständig am Delegieren. Man benötigt von der Grafik ein Bannerset, die IT soll sich um den Einbau von Trackingcodes kümmern, vom Controlling sind Auswertungen von Kundendaten gefragt, neue Marketingkräfte werden von den HR-Kollegen besorgt, usw. Wenn man sich das mal bewusst macht, ist man ständig am Fordern. Und wer fordert von uns etwas? Niemand! Man legt seine Aufgaben selbst fest, gibt sein eigenes Tempo vor und bekommt nur selten Aufgaben von anderen aufgetragen.
Man könnte von einer Diskrepanz sprechen, wenn da nicht die Umsatzverantwortung wäre. Alle anderen bewegen sich ja nicht, weil man so ein netter Typ ist. Sondern, weil sie das Vertrauen haben, dass man mit ihrer Hilfe die Umsätze ankurbelt und am Ende alle happy sind.

Dieses Karussell dreht sich nur so lange auch Umsätze fließen. Gerät es ins Stocken, steht eine anstrengende Zeit bevor. Nicht, weil man neue Umsatzmöglichkeiten erschließen muss, sondern weil man plötzlich im Fokus steht. Es werden Reportings angefordert, die vorher nie ein Thema waren. Man befindet sich plötzlich in Vergangenheitsanalysen wieder, die Zeit kosten, nervig sind und die Kreativität für Neues blockieren. Hat man Chefs, die im Online Marketing nicht fit sind, kann man sich auch auf interessante Meetings einstellen ;)

Was bedeutet dies für meine tägliche Arbeit?

Das Karussell muss sich weiterdrehen. Möchte man in Ruhe seiner Arbeit nachgehen, müssen die Zahlen stimmen. Ob aufstrebendes Startup oder etabliertes KMU, eine stetige Weiterentwicklung muss erkennbar sein. Was bedeutet dies für meinen Arbeitsalltag?

  • Reporting: Voraussetzung ist natürlich seine eigenen Zahlen zu kennen. Die wichtigsten Kennzahlen im Verlauf festzuhalten, blabla bla blablabla…setze ich einfach mal voraus, dass das klar ist, nächster Punkt.
  • Daily Business: Auch dieser Punkt ist relativ einfach. Wer sein Tagesgeschäft nicht im Griff hat, findet kaum die Ruhe für die Weitsicht. Im Online-Marketing betrifft dies primär die Aussteuerung und Optimierung bestehender Maßnahmen, für erfahrene Marketer eine Fingerübung :D
  • Voraussicht 2-3 Monate und mehr: für mich erweist es sich als nützlich 2-3 Monate vorauszudenken. Dadurch kann ich einfach abstecken, was ich im aktuellen Monat schaffen möchte, um in den Folgemonaten darauf aufzubauen. Details spielen hier keine Rolle, aber die großen Projekte kann man sich bereits vergegenwärtigen. Zusätzlich lohnt sich ein Blick auf den branchentypischen Jahresverlauf, um Saisonalitäten und Anlässe frühzeitig zu erkennen. Möchte man trotz Flaute die Umsätze steigern, kann man die Kampagnenpläne schon mal aus der Schublade herausholen.
  • Aus dem Alltag lösen: Es gibt Leute, die machen nach der Mittagspause erstmal ein kurzes Schläfchen auf dem stillen Ort ;) Aber das meine ich nicht, mit aus dem Alltag lösen. Da im Online-Business ein Daten-Überschuss herrscht, kann man im Optimierungsrausch das große Ganze aus den Augen verlieren. Man optimiert bestehende Marketing-Kanäle bis der Arzt kommt und vergisst dabei, neue Projekte anzustoßen. Projekte, die in der Zukunft für Umsatzsteigerungen sorgen werden. Also, ruhig eine Auszeit vom operativen Geschäft nehmen, am besten verbunden mit einem Ortswechsel.
  • Unternehmer im Unternehmen sein: ja, ich weiß, dass ist ein abgedroschener Spruch, aber er trifft es eben. Man kann sagen, was man will, als Angestellter ist man immer im Schutz des Geschäftsführers. Im Zweifel steht immer noch jemand über mir, der die Gesamtverantwortung trägt. Diese Ansicht kann dir in einer Marketing-Position auf die Füße fallen. Du bist für die Umsätze verantwortlich, wozu auch neue Umsätze zählen. Wenn man sich versteckt, wird man nicht die Einstellung erreichen, um die Aufgabe voll auszufüllen. Vielmehr muss man das Unternehmen als sein eigenes ansehen. Sich Tag für Tag zu überlegen, wie und wo man noch mehr rausholen kann. Ist man mit dieser Einstellung „bewaffnet“, rückt das Abbremsen des Karussells in die Ferne.

Fazit

Jetzt ist der Beitrag etwas länger geworden, aber hey, die Zugfahrt von Leipzig nach Berlin und zurück dauert eben seine Zeit :)

Wenn ich die oben stehenden Worte nochmal lese, springt mir eine Erkenntnis förmlich ins Auge. Es ist wichtig, sich regelmäßig die Zeit zu nehmen, aus dem operativen Geschäft auszusteigen und die Strategiebrille aufzusetzen. Häufig geht dies im Alltag unter. Wenn man einen Schritt voraus sein möchte, aber unabdingbar. Ich sehe dieses Ausklinken als enorm wichtig, um das oben beschriebene Karussell am Laufen zu halten.

Was denkst du zum Thema und zu diesem Beitrag? Lesenswert oder verlorene Zeit? :)

Bildquellen: fcstpauligab und GIANTSqurl @Flickr

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